Forschung / Transfer, Peer Group

Ethik in der Forschung

Julia WinterlichPeer Group, Forschung / Transfer Leave a Comment

Ethik in der Forschung

25. Januar 2024
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Sven Becker

Die zweite Tandem Peer-Group-Session (PGS) drehte sich um eine Thematik, der inzwischen auch im nicht medizinischen Bereich jede:r Forschende schon einmal begegnet sein sollte. Sie mitzudenken, gehört nicht nur zur guten wissenschaftlichen Arbeit, sondern oft sogar zur Pflicht bei der Beantragung neuer Projekte. Die Rede ist von der Ethik, oder genauer, der Wissenschafts- und Forschungsethik.

Trotz unseres heterogenen NextGen Teams, dem Wissenschaftler:innen ganz unterschiedlicher Disziplinen angehören, beschäftigen wir uns im Bereich der Ethik mit ganz ähnlichen Fragestellungen, wie beispielsweise:

Wer muss wann bei einer Befragung einwilligen?

Was passiert, wenn die befragte Person nicht mehr oder noch nicht einwilligungsfähig ist?

Tandem Peer-Group-Session

NextGen bedient sich bei der Qualifizierung des Teams dem bereits darin vorhandenen breiten Wissen. Erfahrungen und Know-how in den Qualifizierungsgebieten Forschung und Transfer, Lehre und Didaktik sowie Berufserfahrung und Praxisprojekte ergänzen sich in vielen Fällen.

Neben weiteren Werkzeugen wird im Projekt deshalb Peer-Learning, also Gruppenlernen eingesetzt, bei dem Wissen innerhalb des NextGen Teams weitergegeben wird. Peer-Group-Sessions bilden einen Teil der Peer-Learning Aktivitäten im Projekt. Dabei führen die NextGen-Wissenschaftler:innen durch einen Themenbereich, mit dem bereits Erfahrungen gesammelt wurden.

Tandem Peer-Group-Sessions betrachten ein Thema aus den Blickwinkeln von mindestens zwei verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen.

Zuerst mussten wir dabei die Begrifflichkeiten Wissenschaftsethik und Forschungsethik voneinander abgrenzen.

Wissenschaftsethik

Wissenschaftsethik bedeutet, dass der wissenschaftliche Erkenntnisgewinn den Regeln guter wissenschaftlicher Praxis folgen muss.

Forschungsethik

Bei der Forschungsethik muss sich die:der Forschende beispielsweise an moralische Grundsätze halten. Diese Grundregeln werden dann zur Gestaltung von Forschungsstandards herangezogen.

Da sich beide Themenbereiche unterscheiden und sich durch ihre Komplexität auszeichnen, haben wir uns für das Thema Forschungsethik entschieden.

Zu Beginn sollte sich jede:r Teilnehmende Gedanken dazu machen, was eigentlich ethisches Handeln ist und was Ethik in Forschung und Wissenschaft bedeutet.

Wir sammelten Gedanken zur Wissenschafts- und Forschungsethik und werteten diese aus.

Damit verbunden, steht der ethische Umgang mit Forschungsteilnehmenden im Vordergrund. Drei Prinzipien werden dabei betrachtet:

  1. Freiwilligkeit und informierte Einwilligung
  2. Schutz vor Beeinträchtigung und Schädigung
  3. Anonymisierung und Vertraulichkeit der Daten

1. Freiwilligkeit und informierte Einwilligung

Freiwilligkeit und informierte Einwilligung sind dabei zwei grundlegende Konzepte der Forschungsethik, die sicherstellen, dass die Teilnahme von Personen an wissenschaftlichen Studien auf ethisch akzeptable Weise erfolgt. Die Freiwilligkeit bedeutet hierbei, dass die Teilnahme an einer Forschungsstudie oder einem Experiment ohne jeglichen Zwang erfolgen muss. Teilnehmende dürfen nicht unter Druck gesetzt, manipuliert oder gezwungen werden. Die informierte Einwilligung erfordert, dass die Teilnehmenden vor ihrer Teilnahme an der Forschungsstudie ausführlich und verständlich über die Ziele, Methoden, möglichen Risiken und den Verwendungszweck ihrer Daten aufgeklärt werden. Es muss die Gelegenheit gegeben werden, Fragen zu stellen und alle Unklarheiten zu beseitigen, bevor sie ihre Zustimmung zur Teilnahme geben. Die Einwilligung sollte schriftlich dokumentiert werden, indem die Teilnehmenden eine Einverständniserklärung oder Einwilligungserklärung unterzeichnen, um ihre Zustimmung zur Teilnahme an der Studie zu bestätigen.

2. Schutz vor Beeinträchtigung und Schädigung

Der Schutz vor Beeinträchtigung und Schädigung ist ein weiteres zentrales Prinzip der Forschungsethik. Es bezieht sich auf die Verantwortung der Forschenden, sicherzustellen, dass die Teilnehmenden ihrer Forschungsstudie sowie andere beteiligte Personen nicht durch die Forschung in irgendeiner Weise beeinträchtigt oder geschädigt werden. Forschende sollten auch die möglichen langfristigen Auswirkungen der Studie auf die Teilnehmenden berücksichtigen und sicherstellen, dass sie keinen anhaltenden Schaden erleiden. Der Schutz vor Beeinträchtigung und Schädigung ist eng mit dem Prinzip der informierten Einwilligung verknüpft. Wenn die Teilnehmenden vor Beginn der Studie umfassend über mögliche Risiken aufgeklärt werden und ihre Einwilligung auf dieser Grundlage erfolgt, trägt dies dazu bei, Schäden zu vermeiden oder zu minimieren. Forschende haben die Verantwortung, sicherzustellen, dass alle angemessenen Maßnahmen ergriffen werden, um die physische und psychische Gesundheit sowie die Würde der Teilnehmenden zu schützen.

3. Anonymisierung und Vertraulichkeit der Daten

Der letzte wichtige Punkt umfasst die Anonymisierung und Vertraulichkeit, die dazu dienen, die Privatsphäre und die Daten der Teilnehmenden zu schützen. Anonymisierung bezieht sich dabei auf den Prozess, bei dem personenbezogene Informationen oder Daten so verändert oder entfernt werden, dass die Identität der Teilnehmenden nicht mehr nachvollziehbar ist. Vertraulichkeit bedeutet, dass die Daten und Informationen, die von den Teilnehmenden bereitgestellt werden, vertraulich behandelt und nicht ohne ausdrückliche Zustimmung der Teilnehmenden an Dritte weitergegeben werden. Dies ist besonders wichtig, wenn die Forschung sensible oder personenbezogene Informationen sammelt.
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Am Ende testeten wir, ob bei den Teilnehmenden auch ein paar Inhalte hängengeblieben waren.
Die Grundlage unseres präsentierten Ansatzes bestand aus erprobten didaktischen Prinzipien, die wir gemeinsam mit unseren Team-Kolleg:innen erkundeten. Es war eine Reise durch die Tiefen ethischen Handelns im alltäglichen Kontext. Um die Vielschichtigkeit dieses Themas zu erfassen, nutzten wir eine altbewährte Methode. Gemeinsam schrieben wir unsere Gedanken zu ethischem Handeln auf Karteikarten nieder. Die spätere Auswertung innerhalb der Gruppe ermöglichte uns, eine konstruktive Diskussionsgrundlage zu schaffen.

Welche Aspekte und Bereiche sind für uns persönlich von Bedeutung, wenn es um ethisches Handeln geht?

Diese Frage bildete den Kern unserer Diskussion und öffnete Türen zu neuen Perspektiven. Unsere Peer-Group-Session verwendete einen Mix-Methods-Ansatz. Von der Grundlagentheorie über Umfragen bis hin zu einem interaktiven Quiz und Gruppenarbeiten – wir wollten sicherstellen, dass alle Teilnehmenden auf ihre Art und Weise in das Thema eingebunden wurden. Die Vielfalt der Methoden spiegelte die Komplexität der Forschungsethik wider und förderte eine engagierte und dynamische Diskussion.

Der Prozess des Niederschreibens auf Karteikarten ermöglichte es uns, Gedanken festzuhalten und gleichzeitig Raum für neue Ideen zu schaffen. In der Gruppenauswertung wurden diese Ideen zu einem Mosaik ethischer Überlegungen, das die Vielfalt unserer Teammitglieder widerspiegelte. Es war beeindruckend zu sehen, wie unterschiedliche Perspektiven und Erfahrungen zu einem reichen Diskurs über ethisches Handeln führten.

Wissen folgt uns in den Alltag

Letztendlich wurde unsere Peer-Group-Session zu einem lebendigen Austausch von Ideen und Erfahrungen. Die Kombination aus theoretischem Wissen, interaktiven Methoden und persönlichem Engagement schuf eine diskussionsfreudige Atmosphäre. Unsere Erkenntnisse begleiteten uns in den folgenden Tagen und inspirierten uns dazu, ethische Überlegungen bewusster in unseren Alltag zu integrieren.

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