Forschung / Transfer

Autor:in zwischen Meeting und Seminar

Kerstin StrangfeldForschung / Transfer Leave a Comment

Autor:in zwischen Meeting und Seminar

Wie man ins Schreiben hineinfindet und gute Texte produziert
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19. März 2024

Wie beginnt man einen Schreibprozess? Wie bleibt man dabei und gelangt zu einem zufriedenstellenden Ergebnis? Fragen wie diese stellte sich für uns Dr. Beate Richter, Schreibcoach der Wissenschaftlichen Schreibwerkstadt Berlin.

Um den spezifischen Wünschen und Anforderungen des NextGen Teams begegnen zu können, hat Beate Richter einen Workshop mit dem Titel „Ins Schreiben kommen…“ entwickelt. Dabei standen nicht wissenschaftliche Textarten und die damit zusammenhängenden Unterschiede in der Erarbeitung im Mittelpunkt, sondern der Schreibprozess an sich.

Wissenschaftliche Textarten

Wissenschaftliche Texte unterscheiden sich von anderen Texten wie journalistischen Beiträgen oder Belletristik unter anderem in Aufbau, Ausdrucksweise, Detailgrad und Quellenarbeit. Aber auch untereinander unterscheiden sie sich. Abstracts haben andere Inhalte und Ziele als Einleitungen, Paper unterliegen anderen Anforderungen als Essays. Diese Unterscheidungen sind wichtig, waren aber nicht Teil des Workshops.

Vom weißen Blatt zum Text

Wir lernten eine Reihe verschiedener Strategien kennen, die beim Aufbau und Schreiben eines guten Textes unterstützen. Die meisten von ihnen wendeten wir exemplarisch während des Workshops an.

Den Einstieg machte Free-writing, bei dem zunächst spontan alles aufgeschrieben wird, was der:dem Schreibenden zum Thema in den Kopf kommt. Wir nutzten diese Methode direkt, um uns selbst allen anderen vorzustellen, was zu sehr unterschiedlichen und teilweise persönlichen Texten führte. Free-writing kann Wissenschaftler:innen helfen, die Thematik auszuweiten und auf neue Ideen zu kommen.

Eine weitere Methode mit dem Titel “Jeden Tag eine neue Version“ hatte dagegen zum Ziel, Themen besser auf den Punkt bringen zu können. Dabei wird sich quasi die Faulheit zu Nutze gemacht. Wenn eine Beschreibung jeden Tag neu verfasst und immer weiter um neue Aspekte ergänzt wird, bleiben am Ende nur noch die relevantesten Textbausteine und Erläuterungen übrig.

Diesen beiden offenen Methoden standen geplante Methoden gegenüber, bei denen entweder von Beginn an in Textbausteine unterteilt wird, oder der Sachverhalt skizziert und daraus ein Aufbau abgeleitet wird. Welche Herangehensweise die bessere ist, hängt ganz vom Thema ab.

Beim Re-writing wird ein bereits erstellter Text genutzt und weiterverarbeitet. Diese Methode lebt von einer ständigen Überarbeitung, Ausbesserung und Ergänzung des Textes.

Zunächst schwer greifbare Themen können mit der Puzzle Methode aufgearbeitet werden. Dabei schreibt man Textbausteine, die am Ende zu einem Ganzen zusammengefügt werden müssen.

Autor:in sein im Hochschulalltag

Danach betrachteten wir das Thema Planung, insbesondere im Zusammenhang mit der Tätigkeit als Autor:in. Nicht nur die zeitliche Planung der Texte, die bis zu einer bestimmten Deadline fertiggestellt werden müssen, spielte eine Rolle. Auch die Einplanung des Schreibens in den Arbeitsalltag wurde zum Thema.

Um unsere Arbeit strukturiert planen zu können, forderte uns Beate Richter in einer Übung auf, unsere eigenen Rollen zu benennen, die wir dann jeweils in Zeitslots einordnen sollten. Wir alle sind Autor:in, aber auch Teammitglied von NextGen, Hochschulmitarbeiter:in, Dozent:in, vielleicht Elternteil, (Ehe-) Partner:in und so weiter. Erst wenn wir uns diesen Rollen bewusst sind, können wir mit unseren zeitlichen Ressourcen haushalten. Diese Herangehensweise haben diejenigen im Team, die etwas länger dabei sind, auch schon bei unserem Mental Health Coaching Anfang 2022 kennengelernt.

Besonders interessant fand ich die vorgestellte Lösung, wie man bei älteren Texten ins Schreiben zurückfindet, ohne den Text erneut lesen zu müssen. Dazu kann ein Schreibjournal geführt werden, in dem aufgezeichnet wird, was man gerade erarbeitet hat und was als nächstes folgen sollte. Für jeden Text, der gerade in der Bearbeitung ist, wird darin ein eigener Bereich fortgeführt.

Und wenn ich eine Schreibblockade habe?

Die Strukturierung der Aufgabe hilft, Blockaden abzubauen, die aufgrund einer Unübersichtlichkeit des Themas entstanden sind. Zielsetzungen zu formulieren, ist wichtig, um selbst klar zu sehen, wohin das Schreiben führen soll. So arbeitet man sich Schritt für Schritt voran. Allgemein sollten wir, riet die Dozentin, nicht länger als eine Stunde am Stück vor einem Text verbringen, sondern dem Kopf dann eine kurze, entspannende Auszeit gönnen, bevor wir ihm die nächste Stunde zumuten. Bei größeren oder anderen Blockaden, die sich nicht durch Schreibmethoden beheben lassen, sollten wir lieber dem wahren Ursprung auf den Grund gehen, statt erfolglos vor dem weißen Blatt zu grübeln.

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