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250 Jahre Sophie Germain

Mandy Lange-GeislerForschung / Transfer Leave a Comment

250 Jahre Sophie Germain

Was hat ihr Forschergeist mit NextGen zu tun?
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17. Februar 2026

Am 1. April 2026 jährt sich zum 250. Mal der Geburstag von Sophie Germain. Sie war eine französische Mathematikerin, die den Forschergeist ihrer Zeit verkörperte wie kaum eine andere. In einer Epoche großer wissenschaftlicher Umbrüche, geprägt von berühmten Namen wie Euler, Newton, Lagrange oder Gauss, leistete sie Herausragendes. Trotzdem stand sie außerhalb der offiziellen Wissenschaft: ohne Studium, ohne akademischen Titel und ohne institutionelle Unterstützung.

Warum ist ihre Geschichte heute noch relevant? Und was verbindet Sophie Germain mit NextGen, der Förderung von Nachwuchswissenschaftler:innen an der Hochschule Mittweida?

Forschergeist in Zeiten des Umbruchs

Das Zeitalter der Aufklärung war eine Blütezeit der Wissenschaft. Neue mathematische Methoden entstanden, ganze Disziplinen wurden begründet. Doch diese Welt war nahezu ausschließlich Männern vorbehalten. Sophie Germain wuchs mitten in diesen  wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Umwälzungen auf. Ihre Jugend fiel in die Zeit der Französischen Revolution und des Zusammenbruchs alter Ordnungen. Fast zeitgleich erwachte Sophie Germains intellektuelle Neugier. Allein und autodidaktisch begann sie, sich intensiv mit Mathematik zu befassen.

Ohne formale Ausbildung, ausgeschlossen von der wissenschaftlichen Gesellschaft und konfrontiert mit tief verwurzelten Vorurteilen, arbeitete sie an einigen der schwierigsten mathematischen Probleme ihrer Zeit. Ihre Wirkung entfaltete sie in zwei grundlegend unterschiedlichen Gebieten der Mathematik: Zahlentheorie und Elastizitätstheorie.

Pionierin der Zahlentheorie

In der Zahlentheorie war Sophie Germain die erste Frau, die einen wesentlichen Beitrag im Zusammenhang mit dem Großen Fermatschen Satz leistete. Dieser besagt, dass die Gleichung xn + yn = zn für n > 2 keine positiven ganzzahligen Lösungen in x, y und z besitzt. Generationen von Mathematikern versuchten, diesen berühmten Satz zu beweisen, was nach großen Anstrengungen erst 1994 endgültig gelang.

Besonders bekannt sind die nach Sophie Germain benannten Sophie-Germain-Primzahlen. Das sind Primzahlen p, für die auch 2p + 1 eine Primzahl ist, zum Beispiel 2, 3, 5, 11, 23. Man weiß bis heute nicht, ob es endlich viele oder unendlich viele Primzahlen dieser Art gibt. Die größte bekannte Sophie-Germain-Primzahl ist 2618163402417 × 21290000 − 1. Sie wurde im Jahr 2016 entdeckt und hat 388342 Dezimalstellen.

Eine Stimme, die bleibt

Sophie Germain hinterließ keine Autobiografie und kaum persönliche Briefe. Ihr Leben bleibt in vielen Facetten rätselhaft. Sie schrieb fast ausschließlich über ihre mathematischen Entdeckungen. Was bleibt, ist ihr wissenschaftliches Vermächtnis und die stille Beharrlichkeit einer Frau, die sich ihren Platz in der Wissenschaft gegen alle Widerstände erkämpfte. Ihre Geschichte erinnert uns eindrucksvoll daran, dass der Zugang zu höherer Bildung keine Selbstverständlichkeit ist und dass wissenschaftlicher Fortschritt Mut, Leidenschaft und Durchhaltevermögen erfordert.

Von Sophie Germain zu NextGen

Was Sophie Germain fehlte, ist heute Auftrag moderner Hochschulen: Zugang, Förderung und Unterstützung für junge Talente. Programme wie NextGen an der Hochschule Mittweida setzen genau hier an. Sie schaffen Räume, in denen Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler ihre Ideen entwickeln, forschen und wachsen können.

Sophie Germains Lebensweg zeigt, welches Potenzial verloren geht, wenn Talente nicht gefördert werden. Heute hätte sie nicht unter einem männlichen Pseudonym (”Monsieur Le Blanc“) schreiben müssen. Vielleicht wäre sie Teil eines Graduiertenkollegs gewesen, hätte Mentoring erfahren und ihre Ideen in einem offenen wissenschaftlichen Umfeld entfalten können.
Genau hierfür steht NextGen: für Chancengleichheit unabhängig von Geschlecht, Herkunft und sozialem Hintergrund, für interdisziplinären Austausch und die gezielte Förderung der nächsten Generation von Forschenden.

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