Nachhaltige Personalgewinnung an HAW
Die FH-Personal-Tagung 2025 im World Conference Center BonnAnregender Austausch vor ehrwürdiger Kulisse
Am 20. und 21. März 2025 besuchten unsere Projektmanagerin Angela Freche und ich, die diesjährige Tagung des BMBF-Förderprogramms FH-Personal, über das auch NextGen gefördert wird. Besonderes Highlight war für uns beide der Veranstaltungsort der Tagung – das alte Bundestagsgebäude, heute Teil des World Conference Centers in Bonn.
Die Tagung brachte Hochschulleitungen, Hochschulmanagement und Nachwuchswissenschaftler:innen zusammen, um sich darüber auszutauschen, welche Entwicklungen die FH-Personal-Förderung bisher schon an den Hochschulen in Gang gesetzt haben und mit welchen (bundeslandspezifischen) Voraussetzungen sich die einzelnen Hochschulen für die Erreichung der Förderziele konfrontiert sehen. Nach vier Jahren Laufzeit des Förderprogramms war es Zeit für einen Rückblick auf bisher Erreichtes und einen Ausblick in die Zukunft. Aus dem reichen Erfahrungsschatz vieler verschiedener Förderungsmodelle, dem fachlichen Input und den vielfältigen persönlichen Einblicken in die Karrierewege der geförderten Nachwuchswissenschaftler:innen brachten wir viele neue Impulse und Ideen für die Zukunft von NextGen mit zurück nach Mittweida.
World Conference Center in Bonn
FH-Personal trägt Früchte
Kleiner Spaziergang
entlang des Rheins
zum Tagungscenter.
Nachwuchsgewinnung an HAW – Herausforderungen und Chancen
In der Podiumsdiskussion „Karrierewege an HAW: Wie wir mit Tandem- und Nachwuchsprofessuren erfolgreich die Zukunft an unseren HAW gestalten“ widmeten sich Prof. Dr. Jörg Bagdahn (Hochschule Anhalt), Prof. Dr. Erika Kothe (Friedrich-Schiller-Universität Jena), Prof. Dr. Eva Waller (Hochschule RheinMain), Prof. Dr. Remi Maier-Rigaud (Hochschule Bonn-Rhein-Sieg) und Magnus Milde (BMBF) den Karrierewegen an Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW) und den Chancen und Herausforderungen der nachhaltigen Gewinnung von qualifiziertem Personal.
Ein zentrales Thema war die Gestaltung von Übergängen und „Brüchen“ im Karriereweg für Nachwuchsprofessor:innen, da diese mindestens einmal zwischen Wissenschaft und Berufspraxis außerhalb des Hochschulbereichs wechseln müssen. Tandem- und Teilzeitmodelle, die diese „Brüche“ vermeiden und Übergänge schaffen, bieten vielversprechende Ansätze, um Talente sowohl aus der Industrie als auch der Wissenschaft für eine professorale Laufbahn an einer HAW zu gewinnen.
Vor allem Forschungsfreiheit und die Möglichkeit, mit Studierenden praxisorientiert zu arbeiten und Wissen und Erfahrung an sie weiterzugeben, wurden als entscheidende Attraktivitätsmerkmale von HAW-Professuren identifiziert. Potenzial wurde auch in langfristigen Kooperationen mit Unternehmen und Institutionen gesehen, welche sich über mögliche anfängliche Schwierigkeiten hinaus als beidseitig fruchtbar herausstellen dürften. Themen wie Entfaltungsmöglichkeiten, Internationalisierung und eine breitere Definition von Praxis wurden als wichtige Stellschrauben diskutiert. Ein zentrales Ziel bleibt, attraktive Übergänge und mehr Planbarkeit für den wissenschaftlichen Nachwuchs zu schaffen.
Podiumsdiskussion am ersten Tag
Breakout-Sessions
Am Nachmittag des ersten Tages erwarteten uns Breakout-Sessions zu den Themen Chancen und Herausforderungen von Nachwuchsprofessuren, Promotionsmöglichkeiten an HAW, die Neuakademisierung verschiedener Berufsfelder sowie die Sichtbarkeit der Karrierewege an HAW durch Hochschulkooperationen.
Ich besuchte die vierte Session, „Nachwuchsprofessuren – Chancen und Gestaltungsmöglichkeiten,“ vorbereitet und moderiert von Vertreter:innen der HAW Hof, der HAW Landshut, der TH Ingolstadt und der FH Münster. Es wurden zunächst Praxisbeispiele aus verschiedenen Hochschulen zur Umsetzung von Nachwuchsprofessuren vorgestellt. Im Mittelpunkt standen verschiedene Modelle wie Promotionstrack- und Praxistrack- bzw. Tandemprofessuren sowie deren Finanzierung. Kontrovers diskutiert wurden auch Herausforderungen wie ein angemessener Umfang der Lehrverpflichtung auf verschiedenen Karrierestufen und die Attraktivität solcher Tandem-Modelle für Unternehmen. Ein wiederkehrendes Thema war das Spannungsfeld zwischen den Anforderungen der Hochschule und den Interessen von Praxispartner:innen. Deutlich wurde, dass erfolgreiche Modelle oft hochschulintern gewachsen und an lokale Gegebenheiten angepasst sind.
Angela Freche nahm an der Breakout-Session zum Thema „Neuakademisierung verschiedener Berufsfelder“ teil. Motiviert war die Anmeldung zu dem Thema durch die Überlegung, dass auch die NextGen-Wissenschaftler:innen in neuakademisierten Bereichen, wie „Gamebased Learning“, „Allgemeine und digitale Forensik“, „Soziale Robotik“ forschen und lehren. Leider wurde das Thema „Neuakademisierung“ in der Breakout Session aber nur mit dem Schwerpunkt auf Pflegeberufe betrachtet. Nach einem kurzen Impulsvortrag von Frau Dr. Lena Dorin, Leiterin des Arbeitsbereichs Pflegeberufe im Bundesinstitut für Berufsbildung, folgte eine hochkarätig besetzte Diskussionsrunde an der neben Frau Dr. Lena Dorin, Prof. Dr. Barbara Schermaier-Stöckl (Rektorin der Katholischen Hochschule NRW) und Prof. Dr. Dorit Schumann (Präsidentin der HS Trier) teilnahmen. Die Diskussion war sehr interessant, da sie Einblick in ein Thema bot, mit dem sich die Hochschule Mittweida bisher noch nicht beschäftigt, gab aber wenig Impulse für die Weiterentwicklung von NextGen.
Gemeinsam im Plenarsaal
und beim Science Slam
Komödiantisches Talent überzeugt im Science Slam
Nachwuchsprofessur, Tandemprofessur und Tenure Track
– vom Versuchskaninchen zum Erfolgsmodell?
Einen besonderen Eindruck hinterließ bei uns die Podiumsdiskussion „HAW-Professur in Sicht? Wege, Modelle und persönliche Einblicke“ am Vormittag des zweiten Konferenztages. Nachwuchswissenschaftler:innen verschiedener Karrierestufen berichteten von ihren persönlichen Erfahrungen im Durchlaufen der jeweils eigenen Umsetzungen der FH-Personal Förderung an ihren Hochschulen. Heike Vollmer (Hochschule Fulda), Dr. Frédéric Lapierre (Hochschule München), Prof. Richard Polzer (TH Ingolstadt) und Prof. Dr. Katarzyna Kapustka (Hochschule Koblenz) gaben einen ganz persönlichen Einblick in ihre Karrierewege. Immer wieder zur Sprache kamen dabei das Umfeld HAW als Möglichkeit der persönlichen und wissenschaftlichen Entfaltung und die Freude am gewählten Beruf, aber auch Herausforderungen wie das „Zweigleisig-Fahren“ zwischen Wissenschaft und Wirtschaft und das Meistern einer zufriedenstellenden Work-Life-Balance.
Die Diskussion machte deutlich, wie wichtig es ist, die aktuelle Vielfalt der Nachwuchsförderungsmodelle als Chance zu begreifen, aus den vielfältigen Erfahrungen zu lernen und Flexibilität und Anpassungsfähigkeit an disziplinäre und individuelle Bedürfnisse (weiterhin) großzuschreiben.